Eine Auszeit für Körper und Geist ist in Gemeinschaft leichter

veröffentlicht 19.03.2026, Evangelische Kirchengemeinde Rödermark

Wer zehn Tage Fasten erst einmal geschafft hat, kommt fast immer wieder

Als eine Ober-Röder Lehrerin vor einigen Jahren nach mehreren Fehlversuchen erstmals wirklich im Frühjahr heilfasten wollte, beschloss sie, es diesmal anders anzugehen: sie zog sich in den Osterferien in ihr abgelegenes Ferienhaus in der Schweiz zurück, um dort ihre Ruhe zu haben und keine schlauen Ratschläge zu bekommen. Der Versuch ging krachend schief, denn in ihren zurückgezogenen vier Wänden konnte sie den ganzen Tag an nichts anderes als ans Essen denken. Keine Ablenkung, kein Austausch – es war zum Scheitern verurteilt; sie reiste wieder heim. 

Sehr viel besser und sinnvoller fastet es sich tatsächlich in der Gruppe, wie die Fastengruppe für Gesunde beweist, die sich seit gut 26 Jahren - früher im Turmzimmer von St. Nazarius, parallel dazu und nach dessen Auflösung im Dachstudio des Gemeindehauses neben der Petruskirche - trifft. Stets zu Beginn der Fastenzeit, stets etwa zehn Tage, an denen sich die Mitglieder jeden Abend zwischen Kräutertee und Gemüsebrühe zum gemeinsamen Rückblick treffen und an die tägliche  Gesprächsrunde noch eine Aktion anhängen – mal wird meditiert, mal werden Kräuter in Töpfen angesät, Gewürzsalz zubereitet oder Papier geschöpft und mit Samen zu kleinen Kunstwerken verarbeitet. Mal werden aber auch – kurz vor dem gemeinsamen Abfasten – am letzten Abend erste Leckereien wie kleine Kuchen gebacken oder etwa ein Spaziergang über die Weidenkirche bis nach St. Nazarius gemacht. Da fast alle Frauen und alljährlich auch einige wenige Männer ähnliche oder sogar gleiche Erfahrungen während dieser zehn Tage machen, ist das Gespräch rege, schon im anfänglichen „Stuhlkreis“: die Einen berichten davon, dass sie kälteempfindlicher sind und viel frieren, die Anderen erzählen von ihren anfänglichen Kopfschmerzen oder einer leichteren Müdigkeit; viele merken nach dieser ersten knappen Woche schon, dass die Energie im Körper schrittweise zurückkommt. Und es tut allen gut zu hören, dass es Anderen ebenso ergeht und die erlebten Phasen durchaus „normal“ sind.

Am Mittwoch – zwei Tage vor dem gemeinsamen Fastenbrechen mit Matzenbrot und einem Schluck Fruchtsaft – war Spieleabend angesagt. Aus dem gemütlichen Dachstudio des Gemeindehauses in der Wagnerstraße drangen lautes Gelächter und fröhliche Unterhaltung. An diesem Abend waren es die Domino-Variante „Mexican Train“ und das unterhaltsame Kartenspiel „Skyjo“, welche die Gruppe ausgesprochen gesellig vereinte (und natürlich war es auch die Aussicht auf das baldige Ende der gar nicht so schlimmen Fastenqual).  Die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind seit Jahren in der Gruppe – so wie etwa Ellen Löhlein, die diese Fastentage seit dem Jahr 2000 in den kirchlichen Gruppen genießt. Sie hatte schon in den 70er Jahren im privaten Bereich in einer Gruppe zu fasten begonnen; mit dem Start der Fastengruppe rund um Pfarrer Elmar Jung im Jahr 2000 hatte sie im Turmzimmer der Nazariuskirche teilgenommen. Nach dem Ende der Ober-Röder Gruppe wechselte sie in die alljährliche ökumenische „Fastengruppe für Gesunde“ in der Wagnerstraße. Beiden Gruppen war und ist gleich, dass sie sich am Ende gemeinsam einen Spendenzweck aussuchen, für den sie – auf völlig freier Basis - nicht zuletzt das eingesparte Essensgeld einsammeln so etwa für die Indienhilfe „Hand-in-Hand“. Für Ellen Löhlein sind diese Fastentage schon im Vorfeld ein Grund zur Freude: „Es geht mir gut damit; Unpässlichkeiten, die ich davor hatte, sind nach wenigen Tagen stets verflogen; und ich mache auch weiter – wenn die Gruppe jetzt am Freitag abfastet, werde ich selber zuhause noch weitermachen, bis mein Körper mir sagt: Jetzt reicht’s. Es tut mir wirklich sehr gut.“

Christine Ziesecke