„Gesamtkirchengemeinde an der Rodau“ steht an – doch Rödermark ist schon fusionserprobt

veröffentlicht 19.05.2026, Evangelische Kirchengemeinde Rödermark

Im vollen Gemeindesaal in der Wagnerstraße löste die Thematik der diesjährigen Gemeindeversammlung der Ev. Kirchengemeinde Rödermark keine großen Turbulenzen aus – obwohl das vergangene wie das laufende Jahr viel Brisanz bereithalten.

„Wir wurden eine Gemeinde“ – das konnten die Referenten – die Kirchenvorstandsvorsitzenden Erika Neudert und Martin Annighöfer sowie KV-Mitglied Andreas Bürgam aus vollem Herzen bestätigen: ein gemeinsames Konfirmandenkonzept sowie gemeinsame Senioren- und erst recht Jugendarbeit, Zusammenlegung von Ausschüssen und die Zusammenführung der Gemeindebüros (mit jetzigem Sitz im Gemeindehaus Ober-Roden), eine neue Internetpräsenz – das alles waren Folgen der Fusion der zuvor zwei evangelischen Gemeinden zu einer Ev. Kirchengemeinde Rödermark seit Januar 2025.Dazu kamen die Begrüßung und Einarbeitung der neuen Pfarrerin Eva Lawrenz, die verbunden war mit einer Pfarrhaussanierung, sowie als neueste Information die Vorbereitung der Neubesetzung der zweiten freien Pfarrstelle durch Anke Mühling ab August 2026  Sehr viel Arbeit für alle haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Kirchengemeinde, doch noch lange nicht das Ende der Umwälzungen: zum 1. Januar 2027 steht die neue Gesamtkirche mit den umliegenden Pfarreien unter dem Namen „Gesamtkirchengemeinde an der Rodau“ bevor, zu der es zahlreiche neue Strukturen geben wird, von der Ev. Kirche in Hessen und Nassau vorgestellt. Dann etwa werden alle Gemeindebüros der betroffenen Gemeinden im Nachbarschaftsraum Rodgau-Rödermark nach Dudenhofen umziehen und ein gesamtes Gebäudekonzept, das von der Synode im September 2026 erstellt werden wird, schrittweise verfolgt werden. Dazu wird ein Gesamtkirchenvorstand alle nicht an die einzelnen Gemeinden übertragenen Aufgaben wahrnehmen, so etwa den Haushalt mit dem verbundenen Jahresabschluss, das Personalmanagement und das Gebäudemanagement. Die jeweiligen Ortsgemeinden bleiben als Körperschaft des öffentlichen Rechts bestehen; verschiedene Delegationen innerhalb der neuen Gerüstes werden erwogen. 

Warum bedarf es dieser gewaltigen Umstellung, die am meisten Auswirkungen für die Mitarbeitenden, wohl aber auch für die Gemeindeglieder haben wird wie etwa teilweise längere Wege? Die Mitglieder der EKHN haben sich von 2,3 Millionen im Jahr 1980 auf 1,3 Millionen im Jahr 2023 reduziert; im Dekanat von 120.000 anno 1980 auf 55.000 in diesem Jahr. Das bedeutet auch ebenso starke Reduzierung der Kirchensteuer und damit nicht mehr gewährleistete Haushaltsunterstützungen für die Ortsgemeinden. Zu Recht betonten die drei Referierenden, dass Rödermark durch die in den letzten Monaten und Jahren absolvierte Fusion dabei noch gute Karten habe: mit Zusammenlegungen und dem Umgang mit veränderten Strukturen haben Kirchenvorstand wie auch die gesamte Gemeinde schon ausreichend Erfahrung sammeln können und manches bereits vorbereitet. 

Entsprechend dem großen Thema drehten sich auch die anschließend gestellten Fragen aus der Zuhörerschaft fast ausschließlich um die Problematik der Gebäudereduzierung: „Welchen Spielraum haben die Gemeinden?“ fragte etwa Friedrich Kühne – mit der Antwort: „Es gibt ausgewogene Konzepte für den Nachbarschaftsraum, in denen es weitgehend darum geht, Gemeindehäuser zu reduzieren, denn mittelfristig werden sie nicht mehr alle finanziert werden können.“ Auf die Frage von Manfred Dörsam, wie weit die Stadt hier unterstützen kann, erläuterte die Vorsitzende Erika Neudert: „Die Finanzen der Stadt sind derzeit selbst eher schlecht. Wir hatten aber bei der Fusion schon einen Runden Tisch mit der Stadt und der katholischen Gemeinde über Gebäudefragen etwa mit der Hoffnung auf viel Zusammenarbeit etwa im räumlichen Bereich.“  Unberührt von den neuen Verflechtungen ist dagegen die eigene Stiftung „LebensTräume“ – sie bleibt ausschließlich in Rödermärker Hand.

Einen guten Schlusspunkt setzte Brigitte Jahn-Lenning, Vorstandsmitglied im Dekanats-Synodalvorstand, unter die trotz brisanter Themen ausgesprochen friedliche und verständnisvoll teilnehmende Versammlung: „Sie haben ganz großes Glück – Sie können sagen: ‚Wir schaffen das!‘ Schließich ist die Umstellung auch Ihre Chance: Sie sind den ganzen Ärger rund um Geld und Personalsorgen weitgehend los, indem Sie ihn an den Gesamtvorstand übergeben!“ 

Dazu kam auch noch die Vorfreude auf die ab August neu besetzte zweite Pfarrstelle – Die Gemeindeglieder gingen wohl beruhigt nach Hause. 

Christine Ziesecke