Neudeutsch „Win-Win“, klassisch einfach: Jeder hat was davon!

veröffentlicht 08.10.2026, Evangelische Kirchengemeinde Rödermark

TG nutzt während der Woche den evangelischen Gemeindesaal in Ober-Roden

Während so manche Verhandlungen sich in Rödermark wie auch weltweit über Monate und Jahre hinziehen, geht’s mancherorts ganz schnell: in Ober-Roden haben zum 1. September die Schlüssel für den Gemeindesaal im der Rathenaustraße 1 den Besitzer gewechselt: von Montag bis Freitag genehmigt die neue „Nutzungsüberlassung“ dem Verein der TG Ober-Roden die Nutzung dieses Raumes einschließlich des sanitären Bereichs. Für das Wochenende behält sich die Kirchengemeinde die Nutzung vor, ebenso bleiben einige derzeit regelmäßige Veranstaltungen wie etwa die wöchentliche Posaunenchorprobe in dieser Räumlichkeit mangels anderer geeigneter Räume. Weitere Absprachen werden jeweils spontan zwischen den beiden Vertragsparteien geklärt, sowohl was die Zeit während der Woche als auch die Wochenenden betrifft. Das genau beim für die Presse arrangierten Handschlag dazu ausgerechnet die Kirchenglocken (freitags um 18 Uhr) einsetzten zu läuten, sollte wohl ein gutes Zeichen von ganz oben sein.

„Wir sind weiter Eigentümer, haben aber nicht mehr voll umfänglich darüber zu verfügen“, erläutert die Kirchenvorstandsvorsitzende der seit Januar zur Evangelischen Kirchengemeinde Rödermark zusammengelegten beiden evangelischen Gemeinden. Der Hintergrund: ab Januar 2027 werden die Rödermärker und Rodgauer Kirchengemeinden als neue „Gesamtkirchengemeinde an der Rodau“ zusammengelegt, ähnlich dem Gebiet „St. Anna an der Rodau“ bei den katholischen Pfarrgemeinden. Damit werden viele Funktionen wie auch Gebäude schrittweise überflüssig oder besser zusammengelegt. Die Ev. Kirche in Hessen und Nassau EKHN hat die Gebäude in drei Kategorien gewichtet, die mit vollem Bestandsschutz, mit dringend notwenigen Renovierungskosten oder auch ohne Zuschüsse nun weiter geführt werden. Die Ober-Röder Gustav-Adolf-Kirche gehört zur ersten Kategorie, das Gemeindehaus jedoch zur dritten. Damit muss die Kirchengemeinde anfallende Kosten selbst übernehmen – solange sie das Gebäude in ihrem Besitz behalten möchte. Dafür ist nun der Zuschuss gedacht, der durch die Nutzung durch die TG hereinkommt. Die weiteren Räume des Hauses sind nicht betroffen und werden für die Veranstaltungen genutzt werden, die nun während der Woche aus dem Saal verlegt werden müssen – durch das zweite Gemeindehaus in Urberach lässt sich dies zusätzlich auffangen. „Und wir werden uns bestimmt einig, wenn wir mal räumlich und zeitlich verschieben müssen“, sind sich die Vertragspartner, vertreten durch TG-Vorsitzenden Jochen Weiland und Vorstandsmitglied Stefan Hitzel einerseits und Erika Neudert als KV-Vorsitzende andrerseits, einig.

„Zunächst nutzen wir nun schon seit zwei Wochen den Saal als Probenraum für unsere Frohsinn-Chöre; demnächst werden wir unsere Arbeit aber auch mit Ausweitung der Frühkindlichen Bewegungs- und Tanzgruppen etwa erweitern und auch hierher ausweichen und uns neu aufstellen, auch der Musikzug etwa wird sich hier treffen.. Wir ersparen uns damit sehr viel Verschiebungen und Doppelungen in der Belegung unserer Halle, gerade auch während der dicht gedrängten Fastnachtskampagne. Und wir ersparen es uns auch, für kleinere Gruppen etwa die ganze Halle zu heizen – dies ist hier im Saal ein großer Vorteil für uns“, beschreibt Jochen Weiland die Situation für die TG. „Außerdem können wir dank des Treppenlifts und der Behindertentoilette hier auch einen barrierefreien Zugang anbieten, gerade für Ältere und für kleine Kinder ein Gewinn.“ Zustande kam die beiden Seiten gewinnbringende Kooperation durch einen Zufall: während der Gemeindeversammlung am 17. Mai diesen Jahres hatte Erika Neudert nach einer Bestandsaufnahme locker in den Saal gerufen: „...und wer unser Gemeindehaus mieten möchte, der soll sich einfach melden!“ Fast nur als Scherz gedacht, fiel es aber auf offene Ohren bei einem TG-Mitglied, welches das umgehend weitergab – und so den Nutzungswechsel ins Rollen brachte. Manchmal geht Veränderung ganz einfach, man muss nur miteinander reden...

Christine Ziesecke