Nach 45 Minuten Fahrt erreichten wir den Ausstiegsort unterhalb des Schlosses.
Dort erwarteten uns Führungen in 3 Gruppen durch die kaiserzeitlichen Appartements. Das letzte Kaiserpaar verbrachte dort die Sommermonate. Im Winter war das Wohnen im Schloss nicht angenehm, die Räume konnten nur sehr spärlich beheizt werden. Auch im Sommer wurde es nicht wärmer als 18 Grad. Aber die wunderschöne Lage mit dem Blick auf den Taunus und dem wundervollen Schlosspark daneben machte den Ort schon immer attraktiv.
Die Räume sind teils noch vollständig eingerichtet, man hat einen guten Einblick in die damalige Wohnkultur. Viele persönliche Gegenstände, Bilder und auch Fotos beleuchteten diese Zeit. Alle „modernen“ Gegenstände,- wie etwa die Toilette, die Badewanne und auch das erste Telefon - wurden in großen, eigens dafür gebauten Schränken verborgen. Aber damals wurden auch eine moderne Wassertoiletten, Elektrizität und eine Heizung eingebaut, so dass der Aufenthalt recht komfortabel war.
Die Elektrifizierung hatte auch den positiven Effekt, dass die Räume nicht mehr verrußten, was die Dienerschaft wohl sehr zu schätzen wusste.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem Lokal ganz in der Nähe ging es zur nahen Erlöserkirche. Die Kirche, die von außen sehr schlicht wirkt, erstrahlt im Inneren mit goldenen Mosaiken. Sie wurde im Stil der oströmischen Kirche erbaut mit einem Mosaik von Jesus als Pantokrator, also als dem Weltenherrscher, in der Kuppel über dem Lettner, der Chorschranke. Jesu Blick folgt jedem durch den ganzen Raum.
Wilhelm II und seine Frau Auguste Viktoria gründeten sehr viele Kirchen, die in Bad Homburg war die Nr. 99! Alle wurden nach einem ähnlichen Schema gefertigt, vieles wurde vorproduziert und dann nur noch montiert. Alle Wände wurden dünn mit echtem Marmor verkleidet, die Decken mit Mosaiken, die äußere Hülle mit Sandstein So wurde der Kirchbau in der Rekordzeit von nur 5 Jahren fertig gestellt. Eine Andacht mit Pfrin. Lawrenz rundete die Führung ab.
Nun blieb noch genügend Zeit für ein Eis oder ein Stück leckere Torte in einem der vielen Cafés der Stadt. Wie so oft hatten wir Glück mit dem Wetter, die Aussichten waren sehr schlecht gewesen. Aber es regnete, wenn wir innen waren und es war trocken bei den Wegen. So kehrten wir voll wundervoller Eindrücke nach Rödermark zurück.
Doris Huber